Perspektive
zur Debatte vom 15. Februar 2026
Reizwort „Lifestyle-Teilzeit“: Sollten die Deutschen mehr Vollzeit arbeiten, um die Wirtschaft anzukurbeln? Contra
In Deutschland wird schon jetzt so viel gearbeitet wie noch nie
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Deutschen arbeiten zu wenig und sind zu oft krank – dieser Eindruck entsteht zumindest mit Blick auf die aktuellen Diskussionen in Politik und Medien. Doch ist das wirklich so? Beim Nachrichtenportal T-ONLINE hat Politikredakteur Julius Zielezinski darüber mit dem Arbeitszeitforscher Volker Hielsche gesprochen.
Laut Hielscher ist die Forderung, dass in Deutschland wieder mehr gearbeitet werden muss, ohne Grundlage. Bei der Vollzeitbeschäftigung liegt Deutschland bei der durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitszeit laut dem Experten genau im EU-Durchschnitt. Für Hielscher besteht das Problem in der Debatte vor allem darin, dass Vollzeit- und Teilzeitarbeit zusammengeworfen werden: „Das verzerrt den Durchschnitt. Dadurch entsteht der Eindruck, in Deutschland würde weniger gearbeitet.“
Hielscher zufolge ist aber genau das Gegenteil der Fall. Seitdem das Teilzeit- und Befristungsgesetz im Jahr 2001 in Kraft trat, sei die Zahl der Erwerbstätigen bis 2024 um rund 15 Prozent gestiegen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um knapp fünf Prozent. „Die Zahl der Erwerbstätigen ist also stärker gewachsen als das Arbeitsvolumen“, erläutert Hielscher. Tatsächlich habe die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2024 ein Allzeithoch erreicht. „Wir arbeiten also so viel wie noch nie – gerade auch wegen der Teilzeit“, so Hielscher.
Anmerkung der Redaktion
Prof. Dr. Volker Hielscher ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Arbeitsmarktforscher. Seit vielen Jahren forscht er zum Wandel von Arbeit, Arbeitszeitmodellen und Dienstleistungsprozessen, insbesondere im Pflege- und Gesundheitsbereich. Von 2008 bis 2010 war er Professor für Arbeitsmarktökonomie an der SRH Hochschule Heidelberg, an der er später auch zum Honorarprofessor berufen wurde. Zuvor und begleitend arbeitete er unter anderem am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Seit 2020 ist Hielscher wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) in Saarbrücken.
Julius Zielezinski arbeitet als Redakteur im Ressort Politik und Wirtschaft beim Nachrichtenportal T-ONLINE. Zuvor war er dort seit August 2023 bereits als studentischer Mitarbeiter tätig. Zielezinski studierte Politikwissenschaften in Wien und Berlin. Dabei lag sein Fokus besonders auf dem Phänomenbereich des modernen Rechtsextremismus nach 1945. Zu seinen Interessen gehören ebenso Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik.
T-ONLINE ist ein deutsches Nachrichtenportal. Es wurde 1995 von der Deutschen Telekom als Onlinedienst gegründet. Seit 2017 entstehen die Inhalte in der Zentralredaktion Berlin unter Chefredakteur Florian Harms, der früher SPIEGEL ONLINE leitete. Neben der Nachrichtenplattform ist T-ONLINE auch Anbieter für E-Mail-Adressen und den Telekom-Kundenservice. Während Kundenservice und E-Mail-Adressen zur Telekom gehören, ist das Nachrichtenportal seit 2015 Teil des Medienunternehmens Ströer, welches die Redaktion umgehend umstrukturierte. Ziel ist es laut dem Branchen-Magazin MEEDIA, die Plattform „vom ehemaligen Beiprodukt zum hochkarätig besetzten Nachrichtenportal“ umzubauen. Heute veröffentlicht T-ONLINE eine Mischung aus redaktionellen und werblichen bzw. Service-Inhalten, Nachrichten, Meinungen und Erklärformaten zum aktuellen Weltgeschehen in verschiedenen Rubriken. Chefredakteur Harms schrieb 2024, T-ONLINE rechne sich „keinem politischen oder weltanschaulichen Lager zu“, sondern wolle die Mitte der Gesellschaft repräsentieren – „natürlich stets auf dem Boden der demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Grundordnung“. 2020 berichtete MEDIENINSIDER über einen hohen Arbeitsdruck in der Redaktion und kritisierte einen Rückgang weiblicher Führungskräfte. 2023 berichtete BUSINESS INSIDER, dass die Nachrichtenseite zwar ungewöhnlich gewinnbringend sei, viele Beschäftigte aber niedrige Gehälter und fehlende Erhöhungen kritisierten. Die Website von T-ONLINE wurde im März 2026 laut Similarweb 124,4 Millionen Mal aufgerufen. Ein Großteil des Traffics kommt allerdings über den E-Mail-Service von T-ONLINE zustande. T-ONLINE gehört dem Unternehmen Ströer SE & Co. KG aA, das zu 40 % seinen beiden Gründern gehört. Weitere Anteile gehören Investmentgesellschaften und der JP Morgan Chase Bank, einer der größten US-Banken.
Originalartikel
Diese Arbeitszeit-Fakten werden oft verschwiegen
T-ONLINE
Volker Hielscher
Julius Zielezinski 11.02.2026 ·
6 Minuten ·
Deutsch
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