Perspektive
zur Debatte vom 05. Juli 2026
Verdienen Politiker einen besonderen Schutz vor Beleidigungen? Pro
Hass und Hetze sind keine Meinungsfreiheit
Die Perspektive in 30 Sekunden
Christian Unger spricht sich klar dafür aus, dass Politikerbeleidigungen auch weiter besonders bestraft werden können. Alles andere wäre ein falsches Signal, findet der Politikredakteur in seinem Kommentar für die regionale WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ).
Unger bemerkt laut eigener Aussage nämlich immer mehr Hass in der öffentlichen Debatte. Ihn macht das traurig, denn Beleidigung hat in seinen Augen nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Zwar gebe es natürlich berechtigte Kritik an der Politik. Doch die Leute vergessen Unger zufolge, dass sie immer noch in einem funktionierenden Rechtsstaat leben. „Andere landen im Gefängnis, weil sie gegen die Herrschenden demonstrieren. Und in Deutschland? Beherrscht Hetze immer stärker die Debatte“, ärgert sich der Politikredakteur.
Besonders mit Blick auf die politisch engagierten Menschen im Land ist es laut Unger daher wichtig, dass solcher Hass auch entsprechend bestraft werden kann. Für ihn sind es die Menschen in der Kommunalpolitik, die die Demokratie am Laufen halten. Diese Menschen brauchen Unger zufolge Rückhalt, damit die Demokratie stabil bleibt – eben auch durch Gesetze.
Anmerkung der Redaktion
Christian Unger ist Redakteur für Politik und Wirtschaft bei der FUNKE ZENTRALREDAKTION. Seine Texte erscheinen unter anderem bei der WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG (WAZ), der BERLINER MORGENPOST und im HAMBURGER ABENDBLATT. Zuvor arbeitete er bei dem Fachmagazin ZENITH – ZEITSCHRIFT FÜR DEN ORIENT, der PRAGER ZEITUNG und der WELT. 2012 war er für zwei Monate bei der NOWAYA GAZETA in Moskau, die dreimal wöchentlich erscheint und heute als eines der letzten unabhängigen Medien in Russland gilt – mittlerweile allerdings nicht mehr in Russland ansässig ist. Ungers thematische Schwerpunkte sind Asylpolitik, Migration, Extremismus und Verbrechen sowie soziale Themen. Sein regionaler Fokus liegt dabei auf dem Osten. Er hat Geschichte mit Fokus auf Osteuropa, Osteuropastudien und Politik in Hamburg und Prag studiert.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung und der Ursprung der einflussreichen Funke Mediengruppe. Sie wurde im Jahr 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ Mediengruppe“ umbenannt wurde und 2013 schließlich zur Funke Mediengruppe wurde. Schwestermedien der WAZ sind damit unter anderem die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, das HAMBURGER ABENDBLATT und die BERLINER MORGENPOST. Außerdem gehören zu Funke die Magazine BILD DER FRAU, BRIGITTE und GALA sowie diverse weitere Print- und Hörfunkmedien. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist seit 2014 Andreas Tyrock. 2014 erntete die Funke Mediengruppe Kritik für eine Spende von 15.000 Euro an Lokalverbände der CDU. Die WAZ erhielt 2025 eine Rüge des Deutschen Presserats, weil sie das verpixelte Bild eines nackten Vergewaltigungsopfers veröffentlichte, das aus ihrem Fenster um Hilfe rief, und den Bericht mit „Sex-Drama“ betitelte. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die Funke Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2026 lag die verkaufte Auflage der Funke-Regionalzeitungen in Nordrhein-Westfalen bei rund 295.000 Exemplaren (IVW), zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Der Webauftritt der WAZ hatte im März 2026 19,4 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Hetze ist keine Meinungsfreiheit – gerade Kommunalpolitiker brauchen Rückhalt
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ)
Christian Unger 12.06.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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