Perspektive

zur Debatte vom 15. September 2026
Sollte man die Bedürfnisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen?
Pro

Man kann sich nicht immer nur in der eigenen Blase bewegen

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Punkmusiker Jan Gorkow, besser bekannt als „Monchi“, engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern. In seiner Heimatstadt Jarmen erhielt die AfD bei der Bundestagswahl 2025 54 Prozent. Im Gespräch mit Moderator warnt er beim öffentlich-rechtlichen Sender BR2 davor, sich politisch immer nur in der eigenen Blase zu bewegen.

Für Gorkow funktioniert die Brandmauer gegen die AfD auf gesellschaftlicher und kommunaler Ebene längst nicht mehr: Auf dem Dorf könne man sich nicht in politische Milieus zurückziehen, sondern begegne AfD-Wähler:innen im Alltag zwangsläufig. Zugleich kritisiert er, dass andere Parteien viele ländliche Regionen vernachlässigt hätten, während die AfD vor Ort präsent sei und etwa weiterhin Stammtische veranstalte. Forderungen aus großstädtischen linken Milieus nach konsequenter Abgrenzung hält er deshalb teilweise für lebensfremd.

Gorkow unterscheidet zwischen überzeugten Rechtsextremen und anderen AfD‑Wähler:innen. Mit überzeugten Neonazis gebe es für ihn nichts zu diskutieren. Hinter dem starken Zulauf zur AfD stünden aber sehr unterschiedliche Motive wie Angst vor Migration und Krieg, Sorgen um die Rente oder wirtschaftliche Abstiegsängste. Gerade die ostdeutsche Geschichte müsse dabei berücksichtigt werden. Deshalb falle es ihm schwer, sämtliche AfD-Wähler:innen „über einen Kamm zu scheren“. Er wolle diese Menschen nicht pauschal aufgeben.

Anmerkung der Redaktion

ist freier Journalist. Sein Schwerpunkt liegt auf Ost- und Mitteleuropa. Von Herbst 2023 bis Frühling 2024 war als Korrespondent in Warschau für die WELT und WELT AM SONNTAG tätig. Zusätzlich schreibt er für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, ZEIT-ONLINE und die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA. Kalus hat Politik und Philosophie in Passau, Breslau und Moskau studiert und wurde an der Deutschen Journalistenschule ausgebildet. Kalus verfasst außerdem noch Radiobeiträge für den BAYERISCHEN RUNDFUNK und den DEUTSCHLANDFUNK.

Jan Gorkow, auch bekannt unter seinem Künstlernamen „Monchi“, ist Punkmusiker, Autor und politischer Aktivist. Bekannt wurde er vor allem als  Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet. Gorkow stammt aus Mecklenburg-Vorpommern und seine Biografie ist eng mit dem Bundesland verbunden. Er engagiert sich seit vielen Jahren öffentlich gegen Rechtsextremismus. Neben seiner Musik ist Gorkow auch als Autor hervorgetreten. 2026 veröffentlichte er das Buch Jenseits der Brandmauer, in dem er sich mit dem politischen und gesellschaftlichen Wandel in der ostdeutschen Provinz beschäftigt. Ausgangspunkt ist seine Heimat Jarmen, wo bei der Bundestagswahl 2025 54 Prozent für die AfD stimmten. Gorkow plädiert dafür, ländliche Regionen nicht aufzugeben und trotz großer politischer Differenzen vor Ort im Gespräch zu bleiben und sich gesellschaftlich zu engagieren.

BAYERN 2 bzw. BR2 ist ein öffentlich-rechtlicher Radiosender des Bayerischen Rundfunks (BR). Der Sender richtet sich vor allem an ein kultur- und gesellschaftspolitisch interessiertes Publikum und bietet neben Nachrichten und aktuellen politischen Themen auch Beiträge zu Kultur, Wissenschaft, Literatur, Musik und Gesellschaft. Der Sender gehört zur ARD und wird aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. Das Programm ist in ganz Bayern über UKW und DAB+ sowie bundesweit über das Internet empfangbar.

Originalartikel
Monchi von Feine Sahne Fischfilet: „Ich lebe da, wo es auf der gesellschaftlichen Ebene keine Brandmauer gibt“
BAYERN 2 (BR2)Dominik KalusJan Gorkow („Monchi“)
27.08.2026 · 3 Minuten · Deutsch
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