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zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollte Hartz IV abgeschafft werden? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Man verspricht ein Schlaraffenland - und zieht die falschen Menschen an
Die Perspektive in 30 Sekunden
Dorothea Siems warnt mit Blick auf Hartz-IV vor zu großzügigen Sozialleistungen. Im Wahlkampf erhoffen sich die Parteien laut der WELT-Chefökonomin durch großzügige Sozialversprechen steigende Umfragewerte. Doch ein Staat, der bedingungslos üppige Leistungen verteile, locke die falschen Menschen an.
Die Zukunft von Hartz-IV wird, meint Siems, zu einem der großen Wahlkampfthemen in diesem Jahr. Debattiert werde die Abschaffung aller Sanktionen, der Verzicht auf eine Vermögensprüfung sowie die Anrechnung von Partnereinkommen. Siems hat keine Lust auf diese Diskussionen und sie hält sie auch nicht für sinnvoll. COVID-19 sei für „Sozialfantasten die willkommene Kulisse, um die staatliche Fürsorge auf die Spitze zu treiben“, schnaubt sie.
Es sei zwar sinnvoll, Hartz-IV für Künstler:innen während der Pandemie leichter zugänglich zu machen. Aber es sei „fahrlässig“ sich dauerhaft von dem „Fordern und Fördern“ zu verabschieden. Man dürfe nicht zu viele Gelder verteilen ohne eine Gegenleistung zu fordern, warnt die Wirtschaftsjournalistin. Siems fürchtet, dass dadurch die falschen Anreize gesetzt würden. Deutschland könne schnell einen Ruf als „soziales Schlaraffenland“ bekommen, ein Staat, der „keineswegs nur fleißige Arbeitsmigranten“ anziehe, gibt sie zu bedenken. Sie fürchtet demnach, dass es zu vermehrter Migration kommen könnte, wenn in Deutschland Hartz IV ohne Sanktionsmaßnahmen ausgezahlt werden würde und warnt: Langfristig könne so das ganze Sozialsystem in Deutschland gefährdet sein.
Anders als in Südeuropa sei die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland verschwunden. Und ein Grund dafür, das werde oft vergessen, seien nun mal die Hartz-Reformen. Siems findet es daher schade, dass ausgerechnet die SPD, die die Reformen damals eingeführt hat, sich nun für Hartz-IV schäme.
Anmerkung der Redaktion
Dorothea Siems ist seit 2019 Chefökonomin bei der überregionalen Tageszeitung DIE WELT. Dort leitet sie das Ressort Wirtschaftspolitik. Die studierte Volkswirtin war dort vorher Chefkorrespondentin für Wirtschaft und Parlamentskorrespondentin. Davor hat Siems als Redakteurin bei der WIRTSCHAFTSWOCHE gearbeitet. Ihr Volontariat hat Siems bei der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Journalismus absolviert. Siems ist öfter zu Gast in Talkshows und im Presseclub des WDR. Sie hat mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem 1999 den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik und 2013 den Publizistik-Preis der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung.
DIE WELT ist eine überregionale Tageszeitung mit Sitz in Berlin, die zum Axel-Springer-Konzern gehört. Sie wurde 1946 gegründet und erschien im dritten Quartal 2025 in einer verkauften Auflage von rund 91.000 Exemplaren. Die Auflagenzahl ist damit im Vergleich zu 2024 stark eingebrochen. Gleichzeitig gehörte die Website der WELT im Dezember 2024 mit rund 81 Millionen Besucher:innen zu den meistbesuchten Nachrichten-Websites in Deutschland. Sowohl Tageszeitung als auch Onlineangebot gehören zur WELTN24 GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Axel Springer SE. Zudem unterhält das Medienunternehmen den Fernsehsender WELT (früher N24). Der Chefredakteur von WELTN24 ist Ulf Poschardt. Chefredakteurin der Tageszeitung DIE WELT ist seit dem 1. Januar 2022 Jennifer Wilton. EUROTOPICS bezeichnet DIE WELT als konservativ. In ökonomischen Fragen positioniert sich die Zeitung meist wirtschaftsliberal. Das Goethe-Institut urteilt, DIE WELT ziele in ihrer Printausgabe auf „mittelständische Unternehmer und Selbstständige, die konservative Werte schätzen“. WELT-Autor:innen bekennen sich zu den Leitlinien des Axel-Springer-Verlages, die unter anderem ein Eintreten für „die freie und soziale Marktwirtschaft“ sowie Solidarität mit den USA und Israel fordern. DIE WELT hat bereits mehrfach Rügen vom deutschen Presserat erhalten, weil in einigen Artikeln journalistische Grundsätze verletzt wurden. So hat beispielsweise 2014 der Presserat eine Rüge erteilt, weil die WELT für einen Beitrag „tiefgreifend“ in die Privatsphäre einer Protagonistin eingegriffen habe.
Originalartikel
Hartz IV: Das falsche Versprechen vom sozialen Schlaraffenland
DIE WELT
Dorothea Siems 14.01.2021 ·
1 Minute ·
Deutsch
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