Perspektive

zur Debatte vom 15. September 2026
Sollte man die Bedürfnisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen?
Hintergrund

Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD

Die Perspektive in 30 Sekunden

Nicht erst seit dem deutlichen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt wird über die Gründe für den starken Zulauf zu der in Teilen rechtsextremen Partei diskutiert. Beim staatlichen Bildungsträger BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG setzt sich Politikwissenschaftler daher mit der Wählerschaft der AfD auseinander.

Laut Decker hat sich die AfD seit ihrer Gründung im Jahr 2012 dauerhaft im deutschen Parteiensystem etabliert und ihren Rückhalt zuletzt stark ausgeweitet. Besonders erfolgreich ist sie weiterhin in Ostdeutschland, wo sie bei der Bundestagswahl 2025 in allen Flächenländern mit 32,5 bis 38,6 Prozent stärkste Kraft wurde. Die Partei sei aber längst kein rein ostdeutsches Phänomen mehr: 70 Prozent ihrer Stimmen kamen 2025 demnach aus den westdeutschen Bundesländern. Dort konnte sie ihre Anteile überall mehr als verdoppeln, stellt er fest.

Dem Politikwissenschaftler zufolge sind AfD-Wähler:innen vor allem männlich und mittleren Alters. Bei der Bundestagswahl 2025 sei die Partei besonders stark bei 25- bis 59-jährigen Männern gewesen. Arbeiter:innen und Arbeitslose wählen die AfD zwar überdurchschnittlich häufig, stellen zusammen aber lediglich rund ein Viertel der Wählerschaft, ordnet Decker ein. Drei Viertel entfallen also auf Angestellte, Beamte und Selbstständige. Einfache Erklärungen wie Arbeitslosigkeit, niedrige Bildung oder ein hoher Ausländeranteil reichen deshalb laut Decker nicht aus.

Deutlicher als durch soziale Merkmale unterscheiden sich AfD-Wähler:innen durch ihre politischen Einstellungen von anderen Wählergruppen, berichtet Decker. Sie seien überdurchschnittlich unzufrieden mit dem politischen System und weisen ihm zufolge eine deutlich größere Nähe zu rechtsextremen Einstellungen auf. Besonders deutlich zeige sich dies bei der Ablehnung der Migrations- und Flüchtlingspolitik. Einer Studie zufolge neigen knapp 60 Prozent der Deutschen mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild der AfD zu; bei der Union sind es knapp 15 Prozent und bei der SPD 8,6 Prozent, unterlegt Decker seine Ausführung mit Zahlen.

Anmerkung der Redaktion

ist ein deutscher Politologe und Hochschullehrer. Seit 2001 ist er Professor am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Seit 2007 ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Progressiven Zentrums. Zudem fungiert er seit 2011 gemeinsam mit als wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik, die von Bodo Hombach gegründet wurde. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf westlichen Regierungssystemen, Parteien, Populismus, Föderalismus und Demokratiereform. Frank Decker tritt häufig als Studiogast bei PHOENIX, dem Informationskanal aus Bonn, auf.

Die BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG (bpb) hat die Aufgabe, die Demokratie zu stärken und Bürger:innen über politische Themen zu informieren. Die verschiedenen Angebote sollen globale und historische Zusammenhänge sichtbar machen und zur politischen Partizipation anregen. Dazu gehören zum Beispiel Hintergründe zum Ukrainekrieg, zu politischen Systemen weltweit oder auch Beiträge zur Klimapolitik. Einen besonderen Fokus legt die bpb auf die Jugendbildung, bei der sie die Entstehung von Extremismus inhaltlich bekämpfen soll. Sie wurde 1952 von Bundesinnenminister Robert Lehr (CDU) als Nachfolge der bis 1933 existierenden Reichszentrale für Heimatdienst gegründet. Die bpb wird aus Bundesmitteln finanziert. Sie gehört als Behörde zum Bundesministerium des Inneren und hat ihren Sitz in Bonn. Von 2000 bis 2025 war Präsident der bpb und seine Nachfolge soll 2026 Sönke Rix antreten.

Originalartikel
Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD
BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNGFrank Decker
16.05.2026 · 4 Minuten · Deutsch
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