Perspektive
zur Debatte vom 15. September 2026
Sollte man die Bedürfnisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen? Contra
Wer Faschisten wählt, dem muss man nicht zuhören
Die Perspektive in 30 Sekunden
Bei der linken TAGESZEITUNG (TAZ) widerspricht Kolumnist Robert Misik der These, viele AfD-Wähler:innen seien vor allem frustrierte, verunsicherte oder von Zukunftsängsten getriebene Protestwähler:innen. Nach dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt habe jeder wissen können, wie radikal die AfD sei.
„Wer im vollen Bewusstsein eine faschistische Partei wählt, ist ein Faschist, und nicht bloß ein unglücklicher Dödel“, so der Kolumnist. Den Erfolg der AfD erklärt er vor allem als einen Prozess der „Faschisierung“. Die Partei erzeuge demnach Angst und das Gefühl, von Migration, Kriminalität, politischen Eliten oder anderen vermeintlichen Gegnern bedroht zu sein. Dennoch seien AfD-Anhänger:innen keine bloßen passiven Opfer von Propaganda: Sie beteiligten sich aktiv an den Erzählungen der AfD und radikalisierten dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch andere, betont er.
Die politische Herausforderung besteht für Misk daher nicht nur darin, eine rechtsextreme Partei von der Macht fernzuhalten, sondern der gesellschaftlichen Verrohung entgegenzutreten, auf der ihr Erfolg beruhe. AfD-Wähler:innen sollten nicht permanent als eigentlich vernünftige Menschen behandelt werden, die lediglich aus Frust falsch abstimmten, findet er. Wer wissentlich eine radikale Partei unterstütze, müsse für diese Entscheidung politisch und moralisch verantwortlich gemacht werden.
Anmerkung der Redaktion
Robert Misik ist ein österreichischer Journalist und Sachbuchautor. Als Journalist schreibt unter anderem als ständiger Autor für die Berliner TAGESZEITUNG (TAZ) sowie für die in Österreich erscheinenden Magazine FALTER, PROFIL und FORMAT. Auf der Website des Wiener STANDARD hat er außerdem bis 2019 eine wöchentliche Videokolumne namens „FS Misik“ verantwortet. Als Autor sind zahlreiche Bücher von Misik im Aufbau-Verlag erschienen, darunter „Anleitung zur Weltverbesserung“ (2010), „Genial dagegen“ (2005) und „Marx für Eilige“ (2003). 1999 hat Misik den „Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch“ erhalten und 2009 den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik.
Die TAZ – offiziell: DIE TAGESZEITUNG – ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich Barbara Junge, Ulrike Winkelmann und Katrin Gottschalk.
Originalartikel
Es sind Faschisten – und nicht bloß unglückliche Dödel
TAZ
Robert Misik 09.09.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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