Perspektive
zur Debatte vom 15. September 2026
Sollte man die Bedürfnisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen? Pro
Den AfD-Sieg zu ignorieren verärgert Wählerschaft noch mehr
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Politikwissenschaftler Nicolas Spohn beschäftigt sich mit den politischen Entwicklungen in ostdeutschen Bundesländern. Im Gespräch mit den Journalist:innen Lauren Walker und Stefan Grobe warnt er beim Nachrichtenportal EURONEWS davor, den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt zu ignorieren. Er sieht darin ein deutliches Warnsignal für die Bundesregierung und fordert, die Unzufriedenheit der Wähler:innen ernst zu nehmen.
Seiner Einschätzung nach wählen viele Menschen die AfD nicht unbedingt wegen ihrer rechtsextremen Positionen, sondern aus Frustration über die etablierten Parteien und dem Wunsch nach Veränderung. Besonders in Ostdeutschland verschärfen wirtschaftliche Probleme, Bevölkerungsrückgang, schlechte Berufsperspektiven und eine schwache Infrastruktur ihm zufolge diese Unzufriedenheit. Spohn betont deshalb, dass die Menschen nicht grundsätzlich rechter, sondern vor allem enttäuschter seien.
Um den Aufstieg der AfD zu bremsen, müsse die CDU laut Spohn wieder eine positive politische Perspektive bieten und ihre Wahlversprechen stärker erfüllen. Wenn die Bundesregierung die Sorgen und Frustrationen der AfD-Wähler:innen weiterhin ignoriere, könnte dies der AfD sogar weitere Stimmen bringen, warnt der Politikwissenschaftler.
Anmerkung der Redaktion
Lauren Walker ist Journalistin und Redakteurin bei EURONEWS. Sie arbeitet in Brüssel und beschäftigt sich vor allem mit europäischen und internationalen politischen Themen. Bei EURONEWS ist sie unter anderem an der Produktion des Podcasts „Radio Schuman“ beteiligt, der sich mit aktuellen Entwicklungen in der Europäischen Union beschäftigt. Zuvor arbeitete Walker unter anderem für die Zeitungen THE BRUSSELS TIME, THE SCOTSMAN und die EDINBURGH EVENING NEWS.
Dr. Stefan Grobe ist Brüssel-Korrespondent für EURONEWS. Seinen Doktor der Philosophie erhielt er an der Universität Hamburg. Nach seinem Studium war er bei der DPA und bei der AFP als Redakteur tätig. Seit 1999 ist er für EURONEWS tätig. Zuerst als Nachrichtenredakteur, dann als Korrespondet in Washington und seit 2017 als Brüssel-Korrespondent. Grobe produziert und präsentiert „State of the Union“, eine wöchentliche Zusammenfassung europäischer Angelegenheiten. Von 2002 bis 2011 war er auch Gastprofessor für amerikanische Geschichte in Frankreich.
Nicolas Spohn ist Politikwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Magdeburg. Er forscht im Bereich der Parteien- und Wahlforschung und beschäftigt sich insbesondere mit politischer Repräsentation sowie den politischen Entwicklungen in den ostdeutschen Bundesländern. Aktuell arbeitet Spohn unter anderem an seiner Dissertation zur Rekrutierung politischer Eliten in Landes- und Bundesparlamente. Dabei untersucht er, welche institutionellen, rechtlichen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflussen, wer in politische Ämter gelangt.
EURONEWS ist ein 1993 gegründeter paneuropäischer Fernsehsender aus Lyon, der hauptsächlich Nachrichten rund um Europa und die EU ausstrahlt. Die Website von EURONEWS wird in zwölf Sprachen übersetzt, daneben existieren neun TV-Ausgaben. Durch eine Kooperation des Senders mit der EU-Kommission werden explizit EU-relevante Beiträge von Ereignissen in den Mitgliedstaaten und EU-Beitrittskandidaten ausgestrahlt. Die EU subventioniert EURONEWS deshalb mit 15 Millionen Euro jährlich. Der Sender gilt in seiner Berichterstattung als politisch neutral, während er in den Meinungsressorts zu linksliberalen Standpunkten tendiert.
Originalartikel
„AfD-Sieg ignorieren verärgert Wählerschaft noch mehr, warnt Politikwissenschaftler“
EURONEWS
Lauren Walker
Stefan Grobe
Nikolas Spohn 08.09.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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