Perspektive

zur Debatte vom 15. September 2026
Sollte man die Bedürfnisse von AfD-Wählern ernst(er) nehmen?
Contra

Deutschland hat AfD-Wählern länger als genug zugehört – jetzt reicht es

Die Perspektive in 30 Sekunden

Laut dem Redakteur hat man in Deutschland jahrelang keiner anderen Gruppe so viel zugehört wie AfD‑Wähler:innen. In seiner Kolumne bei der Tageszeitung WIRTSCHAFTSWOCHE (WIWO) argumentiert er daher, dass Deutschland lange genug versucht hat, sie zu verstehen. Seiner Meinung nach reicht es jetzt damit.

Über Jahre seien die Sorgen, Kränkungen und Abstiegsängste von AfD-Wähler:innen analysiert und ernst genommen worden. Nach dem Rekordergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt hält er diesen verständnisorientierten Umgang nun für nicht mehr angemessen. Wer heute AfD wähle, könne sich nicht mehr darauf berufen, lediglich aus Protest gegen die etablierten Parteien zu stimmen.

Für Schnaas tragen die AfD-Wähler:innen inzwischen Verantwortung für die politischen Ziele der Partei, die sie unterstützen. Die AfD habe sich über Jahre weiter radikalisiert und mache aus ihrer Verachtung der Demokratie und ihrer Minderheitenfeindlichkeit keinen Hehl. Deshalb wendet sich Schnaas gegen den Reflex, nach jedem AfD-Erfolg zu erklären, man müsse die Wähler:innen noch besser verstehen, ihnen besser zuhören oder eigene Fehler stärker eingestehen.

Anmerkung der Redaktion

ist seit 2003 Chefreporter bei der WIRTSCHAFTSWOCHE. Für das Blatt porträtiert er unter anderem Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und schreibt Essays über „die Hintergründe von Gesellschafts-, Finanz- und Wirtschaftsfragen“. Der studierte Historiker und Germanist betreibt zudem das Webblog CULTURE CAPITAL, ein Blog für Tourist:innen in Berlin.

Die WIRTSCHAFTSWOCHE ist ein seit 1926 bestehendes überregionales Wirtschaftsmagazin mit Sitz in Düsseldorf. In ihrer Ausrichtung gilt die Wochenzeitschrift als wirtschaftsliberal. Die WIWO gehört zu den Pflichtblättern an den Börsen in Düsseldorf und Frankfurt und wird vor allem für ihre Berichterstattung mit Rankings, etwa zu Hochschulen oder Städten, beachtet. Der Vermarkter iq media zeichnet die Hauptzielgruppe der WIWO als männlich, mittelständisch und überdurchschnittlich wohlhabend. Seit 2010 veranstaltet die WIWO jährlich zusammen mit der Akademie Deutscher Weltmarktführer das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall, das bundesweit größte Treffen mittelständischer Unternehmen mit globaler Spitzenstellung. Chefredakteur der Zeitschrift ist . Die verkaufte Auflage der WIWO lag zuletzt bei rund 89.000 Exemplaren (IVW Q1/2026). Die Website der WIWO verzeichnete im März 2026 7,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). Die Zeitschrift wird von der Handelsblatt Media Group herausgegeben, die der DvH Medien GmbH der Familie Holtzbrinck gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel HANDELSBLATT und TAGESSPIEGEL sowie 50 % Anteile an der ZEIT.

Originalartikel
Die angezählte Republik
WIRTSCHAFTSWOCHE (WIWO)Dieter Schnaas
13.09.2026 · 5 Minuten · Deutsch
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