Perspektive

zur Debatte vom 16. Juli 2021
Sind soziale Medien eine Gefahr für die Debattenkultur?
Pro

Die Angst vor der Schlagzeilen-Attacke verhindert mutige Debatten

Die Perspektive in 30 Sekunden

Schön wäre für den Medienwissenschaftler eine „redaktionelle Gesellschaft“, in der sich die digitale Kommunikation an den Maximen des guten Journalismus orientiere. Also: beide Seiten anhören, erst prüfen, dann urteilen. Allerdings, seufzt Pörksen im Interview mit T-ONLINE, sei das derzeit „Idealismus pur.“

Die Anreize sozialer Netzwerke und des Clickbait-Journalismus belohnten den Hype, den Superlativ, das Extrem – je schneller herausgefeuert, desto besser. In die digitale Debatte könne sich heute jede:r barrierefrei zuschalten und „die eigenen Ideen und Empörungsangebote ganz unmittelbar in die Erregungskreisläufe einspeisen.“

Die öffentliche Debatte werde dadurch aber nicht etwa mutiger und kontroverser, sondern langweiliger und mutloser. Bei Politiker:innen etwa laufe die Angst vor der Twitter- oder Schlagzeilen-Attacke immer mit: „Und diese Furcht vor dem medialen Fegefeuer ist definitiv keine gute Nachricht für eine freie, erörternde, im besten Sinne experimentierfreudige Debatte, die den Krisen der Gegenwart mit der nötigen Wachheit und dem nötigen Ideenreichtum begegnet.“

Anmerkung der Redaktion

ist Medienwissenschaftler und Professor an der Universität Tübingen. Er beschäftigt sich unter anderem mit den Dynamiken öffentlicher Empörung, Medienskandalen, Medienethik sowie Inszenierungsstilen von Politiker:innen und sieht die gegenwärtige Gesellschaft in einem Zustand großer Gereiztheit hinsichtlich populistischer Vereinfachungen. Laut ihm sind wir unter anderem beispiellos gereizt, weil wir online „der Gesamtgeistesverfassung der Menschheit“ schutzlos ausgesetzt werden.

T-ONLINE ist ein deutsches Nachrichtenportal. Es wurde 1995 von der Deutschen Telekom als Onlinedienst gegründet. Seit 2017 entstehen die Inhalte in der Zentralredaktion Berlin unter Chefredakteur , der früher SPIEGEL ONLINE leitete. Neben der Nachrichtenplattform ist T-ONLINE auch Anbieter für E-Mail-Adressen und den Telekom-Kundenservice. Während Kundenservice und E-Mail-Adressen zur Telekom gehören, ist das Nachrichtenportal seit 2015 Teil des Medienunternehmens Ströer, welches die umgehend umstrukturierte. Ziel ist es laut dem Branchen-Magazin MEEDIA, die Plattform „vom ehemaligen Beiprodukt zum hochkarätig besetzten Nachrichtenportal“ umzubauen. Heute veröffentlicht T-ONLINE eine Mischung aus redaktionellen und werblichen bzw. Service-Inhalten, Nachrichten, Meinungen und Erklärformaten zum aktuellen Weltgeschehen in verschiedenen Rubriken. Chefredakteur Harms schrieb 2024, T-ONLINE rechne sich „keinem politischen oder weltanschaulichen Lager zu“, sondern wolle die Mitte der Gesellschaft repräsentieren – „natürlich stets auf dem Boden der demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Grundordnung“. 2020 berichtete MEDIENINSIDER über einen hohen Arbeitsdruck in der Redaktion und kritisierte einen Rückgang weiblicher Führungskräfte. 2023 berichtete BUSINESS INSIDER, dass die Nachrichtenseite zwar ungewöhnlich gewinnbringend sei, viele Beschäftigte aber niedrige Gehälter und fehlende Erhöhungen kritisierten. Die Website von T-ONLINE wurde im März 2026 laut Similarweb 124,4 Millionen Mal aufgerufen. Ein Großteil des Traffics kommt allerdings über den E-Mail-Service von T-ONLINE zustande. T-ONLINE gehört dem Unternehmen Ströer SE & Co. KG aA, das zu 40 % seinen beiden Gründern gehört. Weitere Anteile gehören Investmentgesellschaften und der JP Morgan Chase Bank, einer der größten US-Banken.

Originalartikel
"Furcht vor dem medialen Fegefeuer"
T-ONLINEBernhard Pörksen
06.03.2021 · 5 Minuten · Deutsch
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