Perspektive
zur Debatte vom 08. März 2026
Goethe und Schiller light: Geht mit vereinfachten Klassikern im Schulunterricht kritisches Denken verloren? Pro
Ein vereinfachter „Faust“ ist Etikettenschwindel
Die Perspektive in 30 Sekunden
Matthias Heine hält nicht viel davon, wenn selbst an Gymnasien die deutschen Literaturklassiker in vereinfachter Sprache behandelt werden. Für den Feuilletonredakteur bei der konservativen Tageszeitung DIE WELT kommt das einer Kapitulation gleich.
Laut Heine waren gerade Werke wie „Faust“ und der „Zerbrochne Krug“ bereits für die Zeitgenossen sehr anspruchsvoll und fordernd. „Der Unterschied war allerdings: Früher gab es mehr Schüler und Lehrer, die wussten, dass sich Anstrengung lohnt.“ Dahinter stand laut Heine die Ahnung, „dass man nach der mühseligen Lektüre eines halbverstandenen Textes ein klügerer und vielleicht sogar besserer Mensch sein würde“.
Heute sieht Heine diese Anspruchshaltung kaum noch gegeben – nicht nur bei der Schülerschaft, sondern auch bei den Lehrkräften. Ein vereinfachter „Faust“ ist für den Feuilletonredakteur aber kein „Faust“ mehr, sondern Etikettenschwindel. „Dann soll man es doch lieber ganz lassen“, findet er.
Anmerkung der Redaktion
Matthias Heine ist Journalist und Redakteur im Feuilleton der WELT. Sein Schwerpunktthema ist der Sprachwandel und -gebrauch. Zuvor hat er als freier Journalist unter anderem bei der WELT, FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG, RBB, NDR, NEON, DUMMY, TAZ und FRANKFURTER RUNDSCHAU gearbeitet. 1992 wurde er nach einem Volontariat bei der BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG als Redakteur übernommen und im selben Jahr zum stellvertretenden Kulturchef befördert. Heine hat an der Technischen Universität Braunschweig Germanistik und Geschichte studiert.
DIE WELT ist eine überregionale Tageszeitung mit Sitz in Berlin. Sie wurde 1946 gegründet und erschien im vierten Quartal 2025 in einer verkauften Auflage von rund 90.000 Exemplaren. Die Auflagenzahl ist damit im Vergleich zu 2024 stark eingebrochen. Gleichzeitig gehörte die Website der WELT im März 2026 mit rund 90,5 Millionen Besuchen zu den meistbesuchten Nachrichten-Websites in Deutschland. Die politische Ausrichtung der WELT gilt als bürgerlich-konservativ. In ökonomischen Fragen positioniert sich die Zeitung meist wirtschaftsliberal. Das Goethe-Institut urteilt, DIE WELT ziele in ihrer Printausgabe auf „mittelständische Unternehmer und Selbstständige, die konservative Werte schätzen“. WELT-Autor:innen bekennen sich zu den Leitlinien des Axel-Springer-Verlages, die unter anderem ein Eintreten für „die freie und soziale Marktwirtschaft“ sowie Solidarität mit den USA und Israel fordern. DIE WELT hat bereits mehrfach Rügen vom Deutschen Presserat erhalten, weil in einigen Artikeln journalistische Grundsätze verletzt wurden. Immer wieder wird außerdem Kritik laut, dass die WELT mit ihrer Berichterstattung verschwörungstheoretische oder rechtsextremistische Narrative bedient – so etwa mit klimaskeptischer Positionierung. Zwei Monate vor der Bundestagswahl 2025 veröffentlichte die WELT AM SONNTAG einen Gastartikel des US-Techmilliardärs Elon Musk, in dem dieser für die AfD warb. Das sorgte für heftige Proteste, auch innerhalb der Zeitung, bei denen es auch zu Protestkündigungen kam. Zur Welt-Gruppe gehören außerdem der Fernsehsender WELT (früher N24) und die WELT AM SONNTAG. Sie gehören seit 2026 zur PREMIUM-GRUPPE, der auch POLITICO und BUSINESS INSIDER angehören. Ihr Chefredakteur ist Helge Fuhst, der Herausgeber Ulf Poschardt. Die PREMIUM-GRUPPE gehört dem Axel-Springer-Konzern, zu dem auch Titel wie die BILD-Zeitung und die regionale B.Z. gehören.
Originalartikel
Berlin kapituliert vor Goethe
DIE WELT
Matthias Heine 17.01.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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