Perspektive
zur Debatte vom 23. August 2026
Steht bei den Landtagswahlen die Demokratie auf dem Spiel? Pro
Die Sehnsucht nach einem echtem Bruch gefährdet die liberale Demokratie
Die Perspektive in 30 Sekunden
Peter Unfried blickt mit Sorge auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Der Kolumnist bei der linken TAGESZEITUNG (TAZ) hat die Sorge, dass ein möglicher AfD-Sieg bundesweite Auswirkungen haben könnte. Er verweist dabei vor allem auf mögliche Folgereaktionen bei den demokratischen Parteien der Mitte.
Manche Menschen wünschen sich laut Unfried, dass es „jetzt mal richtig kracht“. Sie wollen, dass endlich etwas passiert. Solche Wünsche erkennt er auch bei den Regierungsparteien von Union und SPD. In beiden Parteien werden gerade die Führungsfiguren infrage gestellt. Unfried sieht hier die Gefahr, dass letztlich ein Außenseiter an die Spitze rückt, der die liberale Demokratie ablehnt und gegen das sogenannte Establishment kämpft, wie es ihm zufolge in anderen europäischen Ländern schon geschehen ist.
Nach Unfrieds Meinung verstehen Populisten unter dem „Establishment“ vor allem Parteien aus der politischen Mitte, die proeuropäisch und international ausgerichtet sind. Gleichzeitig beobachtet Unfried bei vielen Menschen den Wunsch, sich von Europa abzuwenden und sich wieder stärker auf das eigene Land zu konzentrieren. Auch die demokratischen Parteien versuchen in Unfrieds Wahrnehmung mittlerweile, daran anzuschließen und so Stimmen für sich zu gewinnen. Das stellt für ihn aber keine Lösung dar. Vielmehr könnte das seiner Meinung nach die politische Mitte und die Demokratie weiter schwächen.
Anmerkung der Redaktion
Peter Unfried ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur der TAZ FUTURZWEI, einer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der TAZ für Politik und Transformation. Er ist außerdem der Autor des Buchs „Öko. Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“, in dem er seinen Werdegang vom Hedonisten zum bewussteren Konsumenten schildert.
Die TAZ – offiziell: DIE TAGESZEITUNG – ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich Barbara Junge, Ulrike Winkelmann und Katrin Gottschalk.
Originalartikel
Macht es bum in Sachsen-Anhalt?
TAZ
Peter Unfried 08.08.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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