Perspektive
zur Debatte vom 20. August 2025
Steht mit einem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt die Demokratie auf dem Spiel? Analyse
Und wenn man die AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich ranließe?
Die Perspektive in 30 Sekunden
Kolumnist Nikolaus Blome beschreibt für das Wochenmagazin DER SPIEGEL, was eine Regierungsbeteiligung der AfD konkret bedeuten könnte – etwa in Sachsen-Anhalt. Dort gilt die Partei als gesichert rechtsextrem. In aktuellen Umfragen ist sie jedoch stärkste Kraft. Ausgangspunkt ist dabei seine Beobachtung, dass die bisherige Strategie, die AfD kleinzuhalten, nicht funktioniert habe.
Laut Blome kann sich die AfD in der Opposition leicht gut darstellen, ohne Verantwortung für die Regierungspolitik übernehmen zu müssen. In dieser Position können ihm zufolge auch Skandale innerhalb der AfD der Partei nur wenig anhaben – wie zuletzt etwa der Skandal um die Vetternwirtschaft bei mehreren AfD-Politiker:innen. Für den Autor ergibt sich dadurch die Überlegung, ob die AfD sich in einer Regierungsverantwortung „entzaubern“ könnte, weil sie erst dann liefern müsse und Wähler:innen wahrscheinlich enttäuschen werde.
Allerdings warnt der Kolumnist auch deutlich vor den Risiken eines solchen „Experiments“. Sollte die AfD tatsächlich regieren, müsste das Bundesland auch die Konsequenzen tragen: mögliche Isolation auf Bundesebene, Einschränkungen bei Sicherheitskooperationen oder finanzielle Nachteile etwa im Länderfinanzausgleich. Die Idee einer AfD-Regierung erscheint Blome also theoretisch zwar reizvoll, praktisch aber hochriskant und politisch eher schädlich als nützlich.
Anmerkung der Redaktion
Nikolaus Blome ist Journalist, Kommentator und Autor. Seit September 2020 ist er Ressortleiter für Politik und Gesellschaft in der Zentralredaktion der Mediengruppe RTL Deutschland sowie Online-Kolumnist beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Er war bis Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung und dort verantwortlich für das Politik- und Wirtschaftsressort. Zuvor war er Mitglied der Chefredaktion des SPIEGEL (2013–2015) und stellvertretender Chefredakteur bei der BILD (2011–2013). Blome tritt regelmäßig in der Öffentlichkeit auf, meist als Gast in Talkshows zu aktuellen Themen. Bekannt wurde er in diesem Zusammenhang vor allem als Befürworter des damaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Sendungen „Maybrit Illner“, „Hart aber fair“ und „Menschen bei Maischberger“. Des Weiteren ist er mit dem Journalisten und Verleger Jakob Augstein Co-Moderator des Formats „Augstein und Blome“ bei PHOENIX, welches mittlerweile als Podcast bei RTL Plus erscheint. Blome gewann mehrere Preise unter anderem 2014 den Henri-Nannen-Preis für beste investigative Leistung. Im Januar 2025 erschien sein Buch „Falsche Wahrheiten: 12 linke Glaubenssätze, die unser Land in die Irre führen“.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
Und wenn man die AfD doch ranlässt?
DER SPIEGEL
Nikolaus Blome 20.04.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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